Praxisleitfaden fuer Datenmigration im Handwerk: Welche Altdaten wichtig sind, wie Mapping, Tests und GoBD-Ansprueche umgesetzt werden.
Datenmigration: Der unsichtbare Risikofaktor bei Softwarewechseln
Schnellüberblick
- Migration scheitert meist an Datenqualitaet, nicht an Technik.
- Nur relevante Altdaten migrieren, den Rest sauber archivieren.
- Mapping, Testmigration und Abnahme sind Pflichtschritte.
Kernaussagen
- Datenbereinigung vor dem Import spart Wochen an Korrekturen.
- Cutover braucht festen Stichtag und klare Verantwortlichkeiten.
- Integrationen (DATEV, IDS, Datanorm) nach dem Import testen.
Entitäten & Begriffe
- Datenmigration
- Mapping
- Testmigration
- Cutover
- Datenbereinigung
Weiterführende Artikel
- Checkliste Einführung Handwerkersoftware: 10 Schritte zum Erfolg
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- Angebotssoftware mit Materialdatenbank: Kalkulation 2025
Ein Softwarewechsel im Handwerk steht und faellt mit der Datenmigration. Neue Oberflaechen, bessere Funktionen und mobile Apps bringen wenig, wenn Kundendaten fehlen, Artikelstammdaten fehlerhaft sind oder alte Auftraege nicht auffindbar bleiben. Eine gute Migration ist kein IT-Thema, sondern ein betrieblicher Erfolgsfaktor.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Altdaten sauber uebernehmen, welche Daten wirklich entscheidend sind und wie Sie Migration und GoBD-Anforderungen zusammenbringen.
Warum Migrationen im Handwerk scheitern
Die haeufigsten Ursachen sind in der Praxis nahezu identisch:
- Unklare Datenlage: Niemand weiss, welche Daten aktuell und korrekt sind.
- Kein Mapping: Felder werden falsch zugeordnet (z.B. „Kundengruppe“ zu „Rabatt“).
- Keine Tests: Daten werden importiert, ohne Plausibilitaetscheck.
- Keine Verantwortlichkeit: „Die IT macht das schon“ – bis zum Go-Live.
Diese Fehler kosten Zeit, blockieren den Start und fuehren spaeter zu falschen Abrechnungen.
Welche Daten sind wirklich migrierenswert?
Nicht alles muss mit. Die wichtigste Regel lautet: Nur Daten, die Sie in Zukunft brauchen, sollten migriert werden.
Pflichtdaten (fast immer notwendig)
- Kundenstammdaten
- Lieferanten
- Artikel- und Materialstammdaten
- Offene Auftraege
- Wartungsvertraege
- Offene Posten
Optional (abhängig vom Betrieb)
- Historische Angebote
- Abgeschlossene Projekte
- Detail-Dokumentationen
- Alte Zeiterfassungen
Praxis-Tipp: Migration ist die beste Gelegenheit zur Datenbereinigung. Duplikate, alte Kunden oder inaktive Artikel sollten vorab entfernt werden.
Datenqualitaet: Die unterschätzte Stellschraube
Selbst die beste Software liefert schlechte Ergebnisse, wenn die Datenbasis unsauber ist. Typische Probleme:
- Mehrfach angelegte Kunden mit abweichender Schreibweise
- Unterschiedliche Artikelnummern fuer das gleiche Produkt
- Fehlende Zuordnung von Projekten und Rechnungen
Ein einfacher Datencheck vor der Migration spart spaeter Wochen an Fehlerkorrektur.
Der 6-Schritte-Plan fuer eine saubere Migration
- Dateninventur: Welche Systeme und Datenquellen existieren?
- Bereinigung: Duplikate, Altlasten und Fehler entfernen.
- Mapping: Datenfelder zwischen Alt- und Neusystem definieren.
- Testmigration: Probelauf mit Stichproben und Plausibilitaetschecks.
- Abnahme: Fachabteilungen geben Daten frei.
- Cutover: Finaler Import mit dokumentierter Uebernahme.
GoBD und Migration: Worauf Betriebe achten muessen
Auch bei einem Systemwechsel muessen Daten vollstaendig und nachvollziehbar bleiben. Die Aufbewahrungspflichten aus der Abgabenordnung gelten weiter. Das heisst:
- Historische Daten muessen weiterhin abrufbar sein.
- Aenderungen muessen dokumentiert werden.
- Die Nachvollziehbarkeit darf durch den Wechsel nicht verloren gehen.
Wenn Altsysteme abgeschaltet werden, muss sichergestellt sein, dass die Daten weiterhin lesbar und exportierbar bleiben. Ein einfacher PDF-Export reicht in der Regel nicht.
Tests und Plausibilitaet: Ohne sie wird es teuer
Gute Migrationen testen mehr als nur „laeuft“. Wichtige Tests sind:
- Summenpruefung: Stimmen Gesamtwerte von Auftraegen, Rechnungen, offenen Posten?
- Stichproben: Zufallspruefung einzelner Kunden, Auftraege, Artikel
- Prozess-Test: Angebots- und Rechnungsprozess mit migrierten Daten durchspielen
Ohne diese Tests merken Sie Fehler erst im operativen Alltag.
Parallelbetrieb als Sicherheitsnetz
In vielen Handwerksbetrieben hat sich ein Parallelbetrieb bewaehrt:
- Neue Auftraege nur im neuen System
- Alte Auftraege im Altsystem abschliessen
- Keine parallele Buchung derselben Geschaefte
So minimieren Sie Risiken und schaffen einen sauberen Schnitt.
Checkliste: Migration im Handwerk
- Gibt es eine Liste aller Datenquellen?
- Sind Datenfelder eindeutig gemappt?
- Wurde eine Testmigration mit Plausibilitaetschecks durchgefuehrt?
- Gibt es eine Abnahme durch Fachabteilungen?
- Sind Alt-Daten fuer Pruefungen weiterhin abrufbar?
- Ist der Cutover-Termin intern abgestimmt?
Beispiel: Daten-Mapping in der Praxis
Ein typisches Mapping (Alt -> Neu) sieht so aus:
| Alt-System Feld | Neu-System Feld | Hinweis |
|---|---|---|
| Kunde_Name | customer_name | Schreibweise vereinheitlichen |
| Kunde_Strasse | address_line1 | Postleitzahl getrennt speichern |
| Artikel_Nr | item_number | Dubletten pruefen |
| Preis_Netto | price_net | Einheitliche Waehrung |
Dieses Mapping muss schriftlich dokumentiert werden – sonst entstehen Fehler beim Import.
Rollen und Ressourcen planen
Eine Migration benoetigt klare Verantwortlichkeiten:
- Projektleitung: Koordination und Entscheidungen
- Fachliche Owners: Bueroleitung, Meister oder Kalkulation
- IT/Partner: Technische Umsetzung
Ohne klare Rollen bleibt die Migration ein IT-Projekt, das im Betrieb nicht akzeptiert wird.
Downtime minimieren: So bleibt der Betrieb lauffaehig
Viele Betriebe arbeiten mit einem kurzen Zeitfenster fuer den Cutover:
- Wochenende fuer finalen Import
- Montag als „Soft-Start“ mit Support
- Parallelbetrieb fuer alte Auftraege
So bleibt der Alltag stabil, waehrend die neue Software startet.
Integrationen nicht vergessen
Schnittstellen (z.B. DATEV, IDS Connect, Datanorm) muessen nach der Migration getestet werden. Ohne Integration drohen Medienbrueche und manuelle Nacharbeit.
Preise, Zuschlaege, Kalkulation: Die sensibelsten Daten
Besonders kritisch sind Preis- und Kalkulationsdaten. Schon kleine Fehler fuehren zu falschen Angeboten oder Margenverlusten. Deshalb gilt:
- Preislisten vor dem Import prüfen
- Zuschlaege und Rabatte sauber mappen
- Stichprobe von Kalkulationen nach der Migration pruefen
Zeitplan realistisch planen
Ein typischer Migrationstakt fuer kleinere Betriebe:
- Woche 1-2: Inventur und Bereinigung
- Woche 3: Mapping und Testmigration
- Woche 4: Abnahme
- Woche 5: Go-Live und Support
Zu knapp geplante Migrationen fuehren zu Fehlern im Alltagsbetrieb.
Dokumentation nicht vergessen
Jeder Import sollte dokumentiert werden: Datum, Verantwortliche, Datenstand. Das hilft bei spaeteren Rueckfragen und ist besonders wichtig, wenn Pruefungen anstehen.
Qualitaetskennzahlen fuer Migrationen
Damit Migrationen messbar werden, helfen einfache Kennzahlen:
- Anteil fehlerfreier Datensaetze nach Import
- Anzahl korrigierter Datensaetze pro 1000 Eintraege
- Zeit bis zur Behebung kritischer Fehler
Diese Kennzahlen zeigen schnell, ob die Migration stabil laeuft oder nachgesteuert werden muss.
Stichtag und Datenfreeze
Ein klar definierter Stichtag verhindert Chaos. Ab diesem Zeitpunkt werden im Altsystem keine neuen Daten mehr angelegt. So bleibt die Datenbasis konsistent und der Import nachvollziehbar.
Datenbereinigung im Detail
Eine gute Bereinigung umfasst mehr als das Loeschen von Dubletten:
- Postleitzahlen und Orte vereinheitlichen
- alte Preislisten kennzeichnen und archivieren
- inaktive Kunden markieren
- freie Textfelder strukturieren
Je sauberer die Daten, desto schneller arbeitet die neue Software.
Cutover-Checkliste
- Letzter Datenexport im Altsystem erstellt
- Finales Mapping versioniert
- Alle Schnittstellen getestet
- Key-User erreichbar
- Support am Go-Live eingeplant
Praxisbeispiel: Migration eines SHK-Betriebs
Ein SHK-Betrieb mit 1.200 Kunden migriert nur aktive Kunden der letzten drei Jahre, offene Auftraege und Wartungsvertraege. Historische Angebote werden als Archivexport gesichert. Dadurch sinkt die Datenmenge deutlich und die neue Software bleibt schlank.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert eine Datenmigration im Handwerk?
Je nach Datenmenge und System zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten. Die Dauer haengt stark von der Datenqualitaet ab.
Kann ich Altdaten nur als PDF sichern?
Fuer steuerlich relevante Daten reicht ein PDF-Export meist nicht. Daten muessen nachvollziehbar und maschinenlesbar bleiben.
Was ist wichtiger: neue Funktionen oder saubere Daten?
Saubere Daten. Ohne korrekte Stammdaten liefern Funktionen keine zuverlaessigen Ergebnisse.
Muss das Altsystem dauerhaft erreichbar bleiben?
Nicht unbedingt, aber die Daten muessen weiterhin abrufbar und pruefbar sein.
Muss ich alle historischen Daten migrieren?
Nein. Fuer den Betrieb reichen meist aktive Kunden, laufende Auftraege und relevante Stammdaten. Historische Daten koennen oft als Archivexport aufbewahrt werden.
Was kostet eine Datenmigration typischerweise?
Die Kosten haengen von Datenmenge und Komplexitaet ab. Oft ist der groesste Aufwand nicht der Import, sondern die Datenbereinigung.
Wie erkenne ich, ob die Migration erfolgreich war?
Durch Plausibilitaetschecks, Stichproben und Abgleich von Summen. Erst wenn diese Tests sauber sind, gilt die Migration als abgeschlossen.
Was mache ich mit alten PDF-Archiven?
PDF-Archive koennen als Referenz bestehen bleiben, sollten aber indexiert und auffindbar sein. Fuer steuerlich relevante Daten reicht ein reines PDF-Archiv oft nicht aus.